Im Paradies für Schokoholics: Schokoladenverkostung im Camondas Schokoladenkontor

Wie die meisten anderen Menschen auch liebe ich Schokolade – und da das natürlich auch von meinen lieben Mitmenschen nicht unbemerkt bleibt, bekam ich vor kurzem einen Gutschein für eine Schokoladenverkostung im Camondas Schokoladenkontor in Dresden geschenkt. In den drei Filialen von Camondas in der Dresdner Innenstadt gehe ich schon seit längerem liebend gern einkaufen, wenn ich ein schönes Geschenk suche oder mir selbst eine besondere Schokolade gönnen möchte. Das Konzept hat mich gleich überzeugt, denn die Macher von Camondas besuchen Chocolatiers in kleinen Manufakturen auf der ganzen Welt, von Frankreich oder Italien bis nach Ecuador oder Sao Tomé, und nehmen jene Schokoladen, Pralinen und andere Schokoladenprodukte, die sie besonders überzeugen, in ihr Sortiment auf. Die Läden sind sehr gemütlich und stimmig eingerichtet und verfügen über eine kleine Bar und Sitzecke, wo man sich Kaffeespezialitäten, heiße Schokoladen, flüssiges Nougat in der Waffel oder selbstgemachtes Schokoladeneis schmecken lassen kann. Weiterer Pluspunkt: Die Mitarbeiter von Camondas sind nicht einfach nur Verkäufer, sondern wirkliche Schokoladen-Spezialisten, die bei Bedarf wunderbare Empfehlungen aussprechen und bei der Suche nach der für einen persönlich perfekten Schokolade unterstützen.

Die Verkostung findet in der Filiale am Neumarkt direkt gegenüber der Frauenkirche statt und vom Verkostungsraum im dritten Obergeschoss aus hat man denn auch einen fantastischen Blick auf das berühmte Bauwerk. Der Raum ist liebevoll eingerichtet und dekoriert mit allerlei Objekten mit Schokoladenbezug, etwa alten Emailleschildern, Schokoladenformen, Kakaosäcken, etc., aber auch mit einem Sortiment an Schokoladen aus aller Welt. Man merkt bei der Betrachtung des Raumes gleich, dass Camondas sich mit dem Gedanken trägt, ein kleines Schokoladenmuseum in Dresden zu eröffnen.

Wir sechs Verkostungsteilnehmer werden mit einem Gläschen Schokoladenlikör, wahlweise mit Orange oder mit Minze aromatisiert, empfangen. Anschließend folgt der „Theorieteil“, der jedoch alles andere als trocken daher kommt. Wir sehen Fotos von Besuchen des Camondas-Teams auf Kakaoplantagen in aller Welt, bekommen erklärt, wo genau und unter welchen Bedingungen die Kakaopflanze wächst und welche Kakaosorten es gibt. Außerdem erfahren wir, in welchen Schritten Schokolade hergestellt wird und welche Inhaltsstoffe sie enthält. Auch ethisch-moralische Themen, etwa das Problem der Kinderarbeit auf den Kakaoplantagen, deren Thematisierung wir etwa im ansonsten ebenfalls empfehlenswerten Chocoversum von Hachez in Hamburg vermisst hatten, werden angesprochen und kritisch betrachtet, was mir sehr gut gefallen hat.

Nach dieser durchaus spannenden Einführung gehen wir dann zur eigentlichen Verkostung über. Dafür reiht sich auf unserem Tisch bereits eine „Schokoladen-Tonleiter“, d.h. es liegen insgesamt 15 Tafeln Schokolade auf dem Tisch, die wir verkosten werden. Dabei reicht die Auswahl von weißen über Vollmilch- bis hin zu dunklen Schokoladen. Spannend: Es werden sowohl konventionelle Sorten wie Milka oder Lindt als auch Schokoladen verschiedenster Hersteller aus aller Welt, die sich im Camondas-Sortiment befinden, mit einbezogen. Jeder Teilnehmer hat vor sich ein Formular, in das wir unsere Eindrücke beim Probieren der Schokoladen eintragen können – sehr praktisch, wenn man einige Wochen später darüber bloggen möchte! 😉 Wie auch bei Verkostungen von Wein oder Käse beginnt man bei der Schokolade mit den mildesten, also den weißen Sorten, und wagt sich dann zu Kräftigerem vor – d.h. über die Vollmilchschokoladen zu den dunklen Tafeln. Zum Neutralisieren der Geschmacksnerven stehen Wasser und Brot bereit.

Und dann geht es auch schon los mit den weißen Schokoladen! Wir probieren hier die weiße Schokolade von Milka und zum Vergleich die weiße Schokolade der italienischen Manufaktur Amedei aus der Toskana und die weiße Schokolade mit Matcha der Manufaktur Beschle aus Basel in der Schweiz. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich bisher schon das ein oder andere Mal die weiße Milka im Supermarkt gekauft und auch recht gern gegesen habe. Ehe ich mich versah, war dann meistens auch gleich die ganze Tafel aufgegessen… und bei der Verkostung erfahre ich auch, warum das so war. Und nein, es liegt nicht daran, dass die Milka soooooo lecker wäre… sondern daran, dass sie einfach am besten schmeckt, wenn man ein Stück gerade in den Mund genommen hat, der Geschmack aber dann unheimlich schnell nachlässt und stattdessen nur ein eher säuerlicher, gar nicht besonders angenehmer Nachgeschmack zurückbleibt. Und was macht man dagegen? Klar… das nächste Stück essen. Ich muss sagen, diese Erkenntnis war für mich doch ein kleines Aha-Erlebnis. Logisch, dass die Milka nicht gerade eine super Schokolade ist, war mir auch vorher bewusst, aber dass auf so ausgeklügelte Art und Weise quasi dafür gesorgt wird, dass wir auch reichlich Schokolade essen, hat mir doch noch mal die Augen geöffnet.

Im Vergleich mit der weißen Schokolade von Amedei fällt auf, dass diese einen viel feineren, glatteren Schmelz hat als die Milka, die doch eher körnig wirkt. Auch überzeugt die Amedei-Schokolade mit ihrem milchigen, leicht nussigen Geschmack, während die Milka einfach nur sehr süß ist. Mein Favorit unter den weißen Schokoladen war jedoch die Matcha-Schokolade von Beschle, die mich mit ihrem grasig-frischen Geschmack und dem feinen Zitronenaroma sofort überzeugt hat.

Weiter geht es mit den Vollmilchschokoladen! Auch hier wartet als erstes wieder der „Klassiker“, die Milka Alpenmilch, auf uns und hinterlässt einen ganz ähnlichen Eindruck wie ihre hellere Schwester: sehr süß, körnig im Schmelz, säuerlicher Nachgeschmack. Dass es im Vollmilch-Segment viel, viel besser geht, beweisen anschließend „Grand Lait 45%“ der Pariser Manufaktur Michel Cluizel und die „Milk of Gods 44%“ der englischen Manufaktur Willies Cacao. Eine glattere, zartschmelzendere Schokolade als die „Grand Lait“ habe ich glaube ich noch nie gegessen, sehr beeindruckend! Kein Wunder, so erfahren wir, denn der Inhaber von Michel Cluizel hat sogar über das Conchieren von Schokolade promoviert… Die Schokolade hat zwar eine leckere Karamell- und Honignote, doch geschmacklich gefällt mir die „Milk of Gods“ besser, da sie einen pureren Milchschokoladengeschmack hat. In Sachen Konsistenz kann sie der „Grand Lait“ jedoch nicht das Wasser reichen.

Doch meine zwei Favoriten aus dem Vollmilchsegment folgen erst noch: Sehr speziell, für mich aber lecker schmeckt die Vollmilchschokolade mit Bergamotte von Dolci Pensieri di Calabria aus Süditalien. Einzelne Teilnehmer fühlten sich zwar geschmacklich an Saunaaufguss erinnert, ich mochte den kräuterig-zitronigen Geschmack aber gern. Mein absoluter Liebling jedoch war die Vollmilch mit Fleur de Sel der Sächsischen Schokoladenmanufaktur aus Heidenau bei Dresden. Ich liebe Schokolade mit Fleur de Sel einfach! Dass gleich in der Nähe von Dresden so tolle Schokolade hergestellt wird, wusste ich jedoch bisher noch nicht…

Anschließend ging es weiter zu den dunklen Schokoladen. Hier muss ich anmerken, dass ich zwar sehr probierfreudig bin, jedoch noch nicht so richtig auf den Geschmack dunkler Schokolade gekommen bin. Zwar hat mir die Verkostung gezeigt, dass dunkle Schokolade durchaus nicht bitter sein muss und ganz viele spannende Geschmacksnuancen beinhalten kann. Dennoch waren auch bei der Verkostung die weißen und die Vollmilchsorten eindeutig meine Lieblinge. Auch hier beginnen wir mit konventioneller Schokolade, nämlich der 70-prozentigen von Lindt. Diese Schokolade kannte ich bereits und sie galt mir immer als abschreckendes Beispiel dunkler Schokolade – einfach nur bitter und sehr sauer im Abgang. Dass es durchaus auch anders geht, beweisen die „Bolivia Sauvage 70%“ von Eberhard Schell aus Gundelsheim in Baden-Württemberg und die „Criollo Chuao 70%“ der Manufaktur Domori aus Turin. Beide Schokoladen sind zartschmelzend, überhaupt nicht bitter und gänzlich ohne säuerlichen Nachgeschmack. Die „Bolivia Sauvage“ ist sogar unglaublich mild für eine dunkle Schokolade und hat eine leichte Fruchtnote, während die „Criollo Chuao“ regelrecht zitronig-frisch schmeckt und ein dezentes Kaffeearoma aufweist.

Nach diesen beiden dunklen „Einsteiger-Schokoladen“ wenden wir uns zum Abschluss einigen spezielleren Tafeln aus aller Welt zu. Etwas ganz Besonderes ist die „Soft 73,5%“ von Claudio Corallo von der Insel Sao Tomé vor der Westküste Afrikas. Der gebürtige Italiener Corallo ist dorthin ausgewandert, um seine etwas radikale Vision von der perfekten Schokolade zu leben. Für seine Schokoladen wird der Kakao 16 Tage lang fermentiert, was die Schokolade sehr würzig macht, außerdem wird sie überhaupt nicht conchiert und ist dadurch recht grob in der Konsistenz. Sie enthält viele Kakaostückchen und schmeckt erstaunlich süß. Insgesamt zwar gewöhnungsbedürftig von der Konsistenz her, geschmacklich für mich jedoch die beste dunkle Schokolade, die wir verkostet haben. Es folgt die „Blend 75% + Nibs“ von Venchi aus Italien, die zartschmelzend ist und durch die enthaltenen Kakaonibs einen angenehmen Crunch bekommt. Auch sie schmeckt erstaunlich süß für eine 75-prozentige Schokolade und hat ein leichtes Cognac-Aroma.

Auf die Tatsache, dass Schokolade ursprünglich als Medizin erfunden und genutzt wurde, beruft sich die vorletzte Schokolade, die wir verkosten, nämlich die „Lavender & Red Salt 84%“ von Antidote aus der ecuadorianischen Hauptstadt Quito. Sie enthält 50% rohen, d.h. ungerösteten Kakao und soll daher besonders förderlich für die Gesundheit sein. Die Schokolade hat eine überraschend cremige Konsistenz, doch das intensive, leicht säuerlich-blumige Aroma ist nicht so mein Fall. Neugierig probieren wir ganz zum Schluss noch die „Il 100%“, die Schokolade aus 100 Prozent Kakao von Domori aus Italien. Wer vermutet, dass das nicht schmecken kann… hat nicht ganz unrecht, wie ich finde. Man darf natürlich nicht mit der Erwartung herangehen, eine Süßigkeit zu essen, und dennoch: Die Schokolade ist bitter, säuerlich und hinterlässt einen irgendwie öligen Film im Mund. Nicht mein Ding, gehört der Vollständigkeit halber aber dazu und war auch interessant, es mal probiert zu haben.

Damit ist die spannende Verkostung nach ca. zwei Stunden auch leider schon zuende. Wir bekommen noch eine heiße Schokolade – wahlweise aus weißer, Vollmilch- oder dunkler Schokolade – und verlassen anschließend mit zufriedenem Lächeln die Camondas-Filiale. Ein überaus gelungener Nachmittag lag hinter uns! Wir haben viel über Schokolade erfahren, die hochwertigen Sorten schätzen gelernt und hatten das eine oder andere Aha-Erlebnis, jedoch ohne dass zu sehr moralisiert oder mit erhobenem Zeigefinger referiert wurde. Auch hatten wir zu keinem Punkt der Veranstaltung das Gefühl, dass es sich um eine plumpe Werbeveranstaltung handelt, im Gegenteil, es war spannend gemacht und man spürte richtig die Leidenschaft, mit der die Mitarbeiter von Camondas ihre Arbeit und ihre Produkte betrachten. Mir hat der Nachmittag auf jeden Fall dahingehend die Augen geöffnet, dass ich meinen Schokoladenkonsum mehr hinterfrage und lieber seltener in eine hochwertige Schokolade investiere, von der ich dann auch länger was habe, als alle paar Tage eine Supermarkttafel herunterzuschlingen… dieser Vorsatz klappt seitdem ziemlich gut und ich habe auch nach der Verkostung inzwischen schon einige tolle Schokoladen probiert! Für die Verkostung und überhaupt für den Einkauf bei Camondas kann ich daher eine große Empfehlung aussprechen.

Ich hoffe, euch hat mein kleiner Bericht aus dem Schokoladen-Paradies gefallen. Wir haltet ihr es mit Schokolade? Kauft ihr (auch) im Supermarkt oder eher seltener hochwertige Schokoladen? Könnt ihr mir eine Sorte empfehlen, die ich probieren muss?

Ich habe den Gutschein für die Verkostung privat geschenkt bekommen und berichte darüber, weil mich die Veranstaltung persönlich absolut überzeugt hat. Der Artikel gibt meine persönliche Meinung wieder und ist weder von Camondas noch von einem der genannten Schokoladenhersteller beeinflusst oder gesponsort worden.

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