Portugal, Teil 2: Travelguide für Porto & das Dourotal

Nach unserem schönen Wochenende in Lissabon, zu dem ich euch hier schon einen Travelguide & Food Diary verfasst habe, ging es für uns zwar zum Flughafen, aber glücklicherweise noch nicht nach Hause! Stattdessen holten wir unseren Mietwagen ab, um uns anschließend auf den Weg in den Norden Portugals zu machen. Leider sorgte das Mietwagen-Abholen erst einmal für ein bisschen schlechte Stimmung – lange Wartezeiten (die unsere Tagesplanung komplett umgeworfen haben), unfreundliches Personal am Schalter von Sixt und am Ende auch noch ein deutlich schlechter ausgestattetes Auto, als wir es Wochen zuvor reserviert hatten. Dass es auch noch schlecht motorisiert war, merkten wir spätestens, als wir uns in einem unübersichtlichen sechsspurigen Kreisverkehr am Flughafen Lissabon zunächst in die falsche Spur eingeordnet hatten… Trotz teilweise kurioser Verkehrsführung (die uns an einigen Stellen in Portugal aufgefallen ist, besonders in Porto) kamen wir ca. 2,5 Stunden später gut in unserem Ferienhäuschen in Ovar, 30 Kilometer südlich von Porto, an.

Ovar ist eine Kleinstadt, die am nördlichen Teil der Lagune von Aveiro liegt. Es gibt einen eher ländlichen Teil von Ovar einige Kilometer vom Meer entfernt, wo es insgesamt weniger schick ist, sowie einen Stadtteil direkt am Meer bzw. der Lagune, wo die Häuser deutlich mondäner aussehen. Unser Häuschen befand sich im ländlichen Teil, zugegebenermaßen waren wir von der Gegend erst gar nicht so angetan, aber das hübsche Haus und das schöne Grundstück mit Pool, Terrasse, Grillplatz und einem Garten mit Zitronen- und Orangenbäumen konnte dann absolut überzeugen. Wer neugierig ist, kann hier einen Blick auf „unser“ Haus werfen. Spätestens ein kurzes Abtauchen im Pool entschädigte mich für den etwas missglückten Anreisetag, und das Problem des schlecht ausgestatteten Autos konnten wir zum Glück am nächsten Tag durch einen Autotausch bei Sixt am Flughafen Porto komplett lösen 😉

Verwinkelt & facettenreich: Unterwegs in Portos Altstadt

Nach dem kurzen Abstecher zum Flughafen Porto wollten wir die zweitgrößte Stadt Portugals natürlich noch weiter erkunden. Dafür erwies sich der Parkplatz an der Rua Nova da Alfândega direkt am Ufer des Douro als idealer Ausgangspunkt. Der Parkplatz ist sehr zentral gelegen nur wenige Minuten zu Fuß von der Altstadt und ist mit Parkgebühren von ca. 2,50 Euro für sechs Stunden Parkdauer in dieser Lage quasi ein Schnäppchen. Von dort aus bummeln wir am Douro-Ufer entlang und landen wenig später am Cais da Ribeira, der belebten Uferpromenade mit zahlreichen Restaurants, Cafés und Bars. Am Ufer ankern viele der alten hölzernen Schiffe, mit denen früher die Portweinfässer den Fluss hinab nach Porto transportiert wurden und die heute größtenteils für Ausflugsfahrten genutzt werden. Vom Cais aus kann man nicht nur super das geschäftige Treiben beobachten, sondern hat auch einen tollen Blick auf Portos berühmteste Brücke, die Ponte Luís I, auf das Kloster, das sich hoch oben über dem gegenüberliegenden Douro-Ufer erhebt, und auf die Weinkellereien, ebenfalls am anderen Ufer.

 

Nach diesem ersten faszinierenden Blick geht es für uns querfeldein in die kleinen Gässchen Portos. Wir folgen dabei keiner festen Route, sondern lassen uns einfach spontan treiben. Und das würde ich euch auch empfehlen, denn es gibt in Porto nicht DIE Sehenswürdigkeit an sich, sondern an jeder Ecke gefühlt tausende Dinge zu entdecken! Man spürt und sieht gleich, dass die Stadt ganz anders ist als Lissabon. Es gibt weniger prächtige, herrschaftliche Gebäude (einige aber doch, z.B. das Rathaus oder den Bahnhof São Bento), stattdessen viele alte Häuser, die zwar liebevolle und verspielte Details aufweisen, aber häufig auch in einem recht maroden Zustand sind. Auch die Dichte an richtigen Ruinen ist deutlich höher als in Lissabon. Statt großen Plätzen mit Triumphbögen, Reiterstandbildern, etc. dominieren hier enge Straßen, verwinkelte Gässchen und lauschige kleine Plätze.

 

 

 

 

Vor allem aber entdeckt man so viele pittoreske Kleinigkeiten, von verschnörkelten Laternen über altmodische Schilder an Geschäften und Wäscheleinen an halb verfallenen Gebäuden bis hin zu Streetart an Stromkästen und anderen Anlagen im Stadtbild. Wir sind wirklich mit offenem Mund durch diese Stadt gelaufen und konnten nicht fassen, wie viele vielfältige Eindrücke gleichzeitig auf uns eingestürmt sind! Es gab so viel zu sehen, zu entdecken, zu fotografieren – manchmal fiel es fast schon schwer, das alles gleichzeitig zu verarbeiten, aber seht selbst…

 

Hoch hinaus: Teleferico de Gaia und Ponte Luis I

Wenn ihr euch die Altstadt von Porto angeschaut habt (hier hat man jedoch gefühlt nie alles gesehen), lohnt eine Tour zu Fuß über die untere Ebene der Ponte Luís I ans andere Douro-Ufer. Dort befindet ihr euch übrigens technisch gesehen gar nicht mehr in Porto, sondern in Vilanova da Gaia, der direkt gegenüber gelegenen Schwesterstadt Portos. Hier in Gaia, wie die Portugiesen die Stadt kurz und knapp nennen, reihen sich am Ufer die berühmten Weinkellereien, die früher den Portwein vornehmlich auf die britischen Inseln exportiert haben. In vielen kann man Portwein kaufen und auch an Verkostungen teilnehmen. Auch zahlreiche sehr nett aussehende Restaurants finden sich hier, zum Teil sind sie günstiger als drüben in Porto, und man hat den Vorteil, dass man mit wunderschönem Blick auf die Alstadt von Porto speisen kann.

 

Unser Ziel ist jedoch ein anderes – die Seilbahn Teleferico de Gaia, die ihre Fahrgäste in kleinen Gondeln für wenige Euro den Berg hinauf zum Kloster Mosteiro da Serra do Pilar bringt. Sowohl aus der Gondel als auch von der Bergstation der Seilbahn aus hat man einen tollen Blick auf Porto und auf die Ponte Luis I. Anschließend führt euch euer Weg am besten über die obere Ebene der Brücke in luftigen 55 Metern Höhe zurück auf die andere Douro-Seite nach Porto.

 

 

 

Oben in der Altstadt von Porto angekommen, könnt ihr dann an der Kathedrale Sé do Porto und der Igreja de São Lourenço vorbei durch die kleinen Gässchen wieder runter zum Cais da Ribeira gehen. Gern hätten wir noch auf einem der alten Schiffe eine Fahrt auf dem Douro unternommen, aber wir waren recht spät dran – zwar gerade rechtzeitig für die letzte Fahrt des Tages, doch diese findet nur statt, wenn sich mindestens zwölf Personen dafür einfinden. Das war bei uns in der Nebensaison leider nicht der Fall. Aber sei’s drum, dann gehen wir eben was Leckeres essen!

Gutes Essen direkt am Fluss: Café do Cais

Für ein gutes Essen bieten sich viele Restaurants entlang des Ufers an. Uns verschlug es ins Café do Cais, das direkt am Ufer in einem rundum verglasten Gebäude liegt und auch viele Außensitzplätze bietet. Hier genießt man nicht nur den wunderschönen Ausblick, sondern auch gutes Essen zu vertretbaren Preisen – so zumindest unsere Meinung, auch wenn die Bewertungen bei TripAdvisor recht durchwachsen sind. Es handelt sich um portugiesische Gerichte mit Fleisch oder Fisch und Meeresfrüchten, jedoch modern und teilweise auch etwas international interpretiert. Daneben gibt es auch einige leckere Burger auf der Karte. Wir bestellen zur Vorspeise die Greenshell-Muscheln mit Paprika-Vinaigrette und als Hauptgerichte ein gegrilltes Tunfisch-Steak asiatisch inspiriert mit Sesam-Soja-Dip und süßsauer mariniertem Wokgemüse sowie ein Rindersteak mit Pommes und Pfeffersauce. Sowohl die Muscheln als auch die Steaks von Rind und Tunfisch sind perfekt gegrillt bzw. gebraten, saftig und von hervorragender Qualität und auch die Beilagen überzeugen. Der Service variiert leider recht stark je nachdem, an welchen Kellner man gerät – mal flink und zuvorkommend, mal eher träge und schusselig. Aber insgesamt kann ich das Café do Cais aufgrund des guten Essens und des tollen Ausblicks empfehlen!

 

 

Grüne Hänge & Nebelschwaden: das Weinanbaugebiet Dourotal

Nachdem in Porto der Portwein durch die alten Schiffe, die Kellereien und die vielen Lokale, die Verkostungen anbieten, bereits allgegenwärtig war, wollen wir uns in unserem Urlaub noch einmal genauer mit diesem Getränk befassen. Und wo könnte das besser gehen als direkt im Anbaugebiet? Dieses liegt entgegen dem, was der Name Portwein vermuten lässt, nicht in Porto, sondern weiter flussaufwärts im Dourotal. Die Anbaugebiete beginnen etwa 30 Kilometer östlich von Porto und erstrecken sich von dort aus ca. 100 Kilometer flussaufwärts Richtung spanische Grenze. Das Dourotal bildet einen starken Kontrast zu der eher kargen Landschaft im Süden Portugals, denn hier ist alles saftig grün, die Berge sind entweder von Weinhängen bedeckt oder dicht bewaldet. Wir stellen allerdings auch gleich fest, woher das kommt… nämlich von jeder Menge Regen! Auch bei unserem Besuch herrscht richtiges Aprilwetter, auf Sonnenschein folgen immer wieder dicke Wolken, eine halbe Stunde schüttet es wie aus Kannen, dann bahnt sich wieder die Sonne ihren Weg… Die ganz leichten Nebelschwaden, die bedingt dadurch durchs Tal ziehen, verstärken die besondere Stimmung jedoch nur noch. Ich fand es im Tal wirklich wunderschön, kurvige Straßen ziehen sich entlang der Berghänge und immer wieder hat man tolle Ausblicke auf den Douro, der sich tief unten im Tal windet.

 

Führung & Portweinverkostung in der Quinta da Pacheca

Aber natürlich wollten wir uns die Weinhänge nicht nur von Weitem ansehen, sondern den Portwein auch einmal probieren. Dafür ist eine Führung und Verkostung auf einem Weingut ideal. Viele Weingüter im Dourotal bieten regelmäßig Führungen an, auf den kleineren Gütern muss man sich aber in der Regel vorher anmelden. Da wir unseren Tag spontan planen und uns nicht schon vorab auf einen Ort und eine Zeit festlegen wollen, entscheiden wir uns für den Besuch eines der größten Weingüter im Dourotal, der Quinta da Pacheca in Lamego. Das Gut wurde unlängst als eines der besucherfreundlichsten Weingüter Portugals ausgezeichnet, und das können wir nur bestätigen. Zum Weingut gehören auch ein Hotel und ein Restaurant, beides soll sehr gut, aber entsprechend preisintensiv sein. In der Quinta da Pacheca werden sehr viele Events rund um den Portwein angeboten. Führungen finden den ganzen Tag über zu jeder vollen Stunde in unterschiedlichen Sprachen statt (auch ohne Voranmeldung), und wer möchte, kann besondere Aktivitäten wie eine Wanderung durch die Weinberge oder ein Dinner im Weinkeller buchen.

 

 

Als wir in der Quinta ankommen, startet gerade eine französischsprachige Führung. Auch wenn unsere Französischkenntnisse nicht so schlecht sind, entscheiden wir uns, auf die englischsprachige Führung, die eine Stunde später startet, zu warten… so haben wir in der Zwischenzeit (es scheint gerade die Sonne!) noch Gelegenheit für einen Spaziergang durch die Weinberge.

 

In einer kleinen Gruppe von acht Personen geht es eine Stunde später unter der Leitung unseres sympathischen Guides – einer Oenologie-Studentin aus Südfrankreich, die gerade ihr Praxissemester in der Quinta verbringt – zunächst in die Halle, in der die Trauben in großen Bassins gestampft werden. Das geschieht immer noch in Handarbeit, oder in diesem Fall genauer gesagt in Fußarbeit 😉 Wer im Herbst zu Besuch in der Quinta ist, darf dabei auch mithelfen. Außerdem lernen wir, dass der Brandy, der für die Herstellung des Portweins verwendet wird, aus den Traubenschalen der Vorjahres-Trauben von der Quinta da Pacheca hergestellt wird. Dafür werden die gestampften Traubenschalen nach Spanien gebracht und dort in einer Brennerei zu Brandy verarbeitet, der dann in die Quinta zurückkehrt. Für uns geht es nun in den Weinkeller zu den riesigen Portwein-Fässern. Hmmm, hier riecht es gut! Wir erfahren, dass es neben den uns bekannten beiden Portwein-Sorten (rot/ruby und weiß) auch Rosé-Portwein sowie Tawny Port gibt. Bei letzterem handelt es sich um einen Verschnitt verschiedener Portweinsorten, der in kleineren Fässern reift und häufig ein gewürz- und tabakartiges Aroma hat. Er ist übrigens der einzige Portwein, bei dem man die Flasche über längere Zeit angebrochen lassen und immer mal wieder ein Gläschen davon trinken kann. Alle anderen Portweine sollten wie normaler Wein getrunken werden, also an einem Tag geleert werden, da sie sonst erheblich an Geschmack verlieren. Hättet ihr das gewusst? Ich jedenfalls habe das bisher immer falsch gemacht!

 

Zu guter Letzt geht es zur Verkostung. Wir probieren zwei Rotweine aus der Quinta (als eines der wenigen Weingüter im Dourotal stellt sie aufgrund ihrer günstigen Lage sowohl Wein als auch Portwein her – die meisten Quintas sind auf eines von beiden spezialisiert), einen Ruby Port sowie – mein Highlight – einen 30 Jahre alten Tawny Port. So vielschichtige Aromen – erst Tabak, dann Schokolade, dann Vanille, zum Schluss Gewürze – Wahnsinn! So steht dann auch fest: Ein Tawny Port muss mit! Für den 30-jährigen reicht unser Budget leider nicht, wir gönnen uns stattdessen eine Flasche 10-jährigen, der auch sehr lecker schmeckt. Wenn ihr Wein und Portwein mögt und beides gern in sehr hoher Qualität probieren wollt, kann ich euch einen Besuch in der Quinta da Pacheca nur empfehlen.

 

An der stürmischen Atlantikküste in São Jacinto

Damit neigte sich unser Aufenthalt im Norden Portugals leider schon dem Ende zu – einer der letzte Eindrücke kommt schließlich von der Atlantikküste. Auch wenn das Wetter leider die ganze Zeit über nicht zum Baden einlud, wollten wir doch einmal direkt ans Meer. In São Jacinto, auf einem schmalen Küstenstreifen zwischen der Lagune von Aveiro und dem Atlantik gelegen, geht es für uns an den Strand. Beeindruckend hoch branden die Wellen des Atlantiks an den Strand, der Wind tost, der Strand ist bis auf uns absolut menschenleer. Man versteht hier gleich, warum die portugiesische Atlantikküste ein Hotspot für Surfer ist!

 

Für mich war das eine tolle Erfahrung, weil man sich im Angesicht dieser Urgewalten wieder einmal bewusst wurde, wie klein man selbst und die eigenen Belange doch eigentlich sind, und weil man an diesem leeren Strand mit Wellen und Meeresrauschen noch einmal richtig die Seele baumeln und den Akku aufladen konnte. Dieses Gefühl habe ich für mich auch noch mit nach Hause genommen und versucht, mir ein Stück weit im Alltag zu bewahren…

 

Damit endet meine kleine Reiseberichterstattung zu Portugal. Ich hoffe, es hat euch gefallen und ihr habt jetzt auch Lust auf eine Reise in den äußersten Südwesten Europas!

*Alle Empfehlungen beruhen auf meiner persönlichen Meinung und sind weder mit den genannten Sehenswürdigkeiten und Restaurants abgestimmt noch von ihnen beeinflusst.

2 Kommentare
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Kommentare

  • Sarah B.

    22. August 2016 at 17:01
    antworten

    Also gegen so eine Weinprobe mit Tawny Port wäre ich ja auch nicht abgeneigt, wenn ich das lese...die Bilder vom einsamen Strand sind auch genial. […] weiterlesenAlso gegen so eine Weinprobe mit Tawny Port wäre ich ja auch nicht abgeneigt, wenn ich das lese...die Bilder vom einsamen Strand sind auch genial. Gerade wegen der Wolken finde ich die Stimmung toll! Gruss, Sarah zusammenfassen

    • Kirsten
      antwortet Sarah B.

      22. August 2016 at 19:02
      antworten

      Liebe Sarah,oh das freut mich, dass es dir die wolkig-rauhe Stimmung am menschenleeren Strand auch gleich so angetan hat wie mir. Es war wirklich wunderschön! […] weiterlesenLiebe Sarah,oh das freut mich, dass es dir die wolkig-rauhe Stimmung am menschenleeren Strand auch gleich so angetan hat wie mir. Es war wirklich wunderschön! Und gegen einen Tawny Port gibt es wirklich ganz und gar nichts einzuwenden - gut möglich, dass wir uns hier heute noch ein Gläschen davon einschenken :-)Liebe Grüße,Kirsten zusammenfassen

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