Travelguide für Prag: 24 Stunden in der Metropole an der Moldau

Ich liebe es zu verreisen und wenn ich von einer Reise zurückkomme, plane ich am liebsten gleich den nächsten Urlaub! Wenn es zwischen zwei Reisen doch mal für meinen Geschmack etwas länger dauert, wie etwa jetzt zwischen unserem Portugal-Urlaub Anfang Juni und unserer Reise nach New York Ende September, dann behelfe ich mir gerne mit einem Kurztrip. Dabei muss es gar nicht weit weg gehen – auch im Umkreis von ein bis zwei Stunden finden sich viele lohnenswerte Ziele. Von meiner Heimatstadt Dresden aus ist etwa die tschechische Hauptstadt Prag in knapp zwei Stunden zu erreichen, und sie lohnt immer wieder einen Besuch!

Aufgrund der Nähe zu Dresden war ich natürlich schon einige Male in Prag, und dank einer tschechischen Freundin, die ich im Studium kennengelernt habe, bin ich auch schon zu dem ein oder anderen Geheimtipp in der „Goldenen Stadt“ geführt worden. Gefallen hat es mir immer super, und so habe ich natürlich nicht nein gesagt, als sich Anfang August die Gelegenheit ergab, mit einer Freundin nach Prag zu reisen. Die Herausforderung: Meine Reisebegleitung war noch nie in Prag, und wir hatten gerade mal 24 Stunden, um die Hauptsehenswürdigkeiten zu besuchen und natürlich lecker zu essen und zu trinken! Heute habe ich euch daher meinen Guide für einen (vollgepackten) Tag in der tschechischen Hauptstadt mitgebracht. Auch wenn ihr länger in der Stadt seid (was ich euch sehr wünsche), ist mein Guide gut geeignet, um am ersten Tag einen Überblick zu bekommen – oder aber um das Programm auf mehrere Tage zu strecken und sich überall mehr Zeit zu lassen 🙂

Wir kommen mit dem Bus aus Dresden am Prager Busbahnhof an, der sich direkt an der U-Bahn-Station Florenc westlich des Stadtzentrums befindet. Am Busbahnhof kann man auch gleich Geld tauschen bzw. mit Kreditkarte am Geldautomaten abheben und dann mit der U-Bahn weiter in die Stadt fahren. Wir wollen zunächst einmal etwas Gepäck loswerden und begeben uns daher zu unserem Hotel, das nur drei U-Bahn-Stationen entfernt in der Nähe des Bahnhofs I.P. Pavlova liegt. Das Dahlia Inn ist ein kleines, einfaches Hotel mit nur wenigen Zimmern, das im zweiten Stock eines Wohnhauses liegt. Es punktet mit hübsch eingerichteten Zimmern, modernen Bädern, der Nähe zur Innenstadt und dem unschlagbar günstigen Preis von 48 Euro pro Nacht fürs Doppelzimmer. Ein paar Abstriche muss man machen (etwa eine nur tagsüber besetzte Rezeption oder ein recht lahmes WLAN), aber für eine Nacht soll uns das nicht stören. Wir werden herzlich empfangen und bekommen gleich Tipps für unseren Tag in Prag, die sich jedoch ziemlich genau mit der Tour decken, die ich mir schon ausgedacht hatte 😉

Da wir nur so wenig Zeit haben, fackeln wir nicht lange und begeben uns in die Stadt. Wir haben uns entschieden, unseren Stadtrundgang auf dem Hradschin, der Prager Burg oben über dem anderen Moldau-Ufer, zu beginnen. So können wir vom Burgberg herunter laufen und müssen nicht bergauf, was sich bei Temperaturen von über 30 Grad als praktisch erweist. Zur Burg fahren wir mit der Straßenbahn-Linie 22, die direkt vor unserem Hotel abfährt und uns für günstige knapp 40 Cent pro Person in 25 Minuten bis zur Haltestelle Praszky Hrad direkt gegenüber dem Eingangstor zur Burg bringt. Auch die Straßenbahnfahrt lohnt sich schon, denn man genießt sehr hübsche Ausblicke auf die Moldau und die kleinen Sträßchen der Kleinseite, dem Stadtteil am linken Moldau-Ufer. Vor der Besichtigung der Burg wollen wir uns noch stärken. Das geht z.B. im Bistro Lví Dvůr, das direkt gegenüber der Straßenbahnhaltestelle liegt (es gehört zum gleichnamigen Restaurant, dessen Eingang um die Ecke liegt). Dort gibt es leckere gegrillte Panini, Sandwiches, Baguettes, Quiches, und auch die Kuchen, Torten, Zimtschnecken, etc. sehen einfach traumhaft aus!

Anschließend geht es auf das Burggelände, wo kurz unsere Rucksäcke kontrolliert werden und wir dann passieren dürfen. Die Wachablösung am Tor zum ersten Burghof haben wir leider verpasst, aber macht nichts, es gibt ja auch sonst noch viel zu sehen! Wir schlendern durch die Burghöfe und bestaunen den Veitsdom, die Sankt Georgsbasilika und das Palais Lobkowicz. Da das Wetter so herrlich ist und wir an einem Tag möglichst viel von der Stadt sehen wollen, entscheiden wir uns, keine der Sehenswürdigkeiten von innen zu besichtigen. Wer mehr Zeit mitgebracht hat, kann neben den genannten Gebäuden auch noch durch das Goldene Gässchen streifen, ein Sträßchen mit kleinen, bunten Häusern am Rand der Burganlage, in dem einst Franz Kafka gewohnt hat. Hierfür ist aber ebenfalls die Entrichtung eines Eintrittsgeldes erforderlich.

Wir halten uns stattdessen weiterhin an die kostenlosen Freuden – zum Beispiel an den herrlichen Ausblick über Prag, der sich rechts von uns eröffnet, nachdem wir die Burganlage durch das Tor beim Palais Lobkowicz verlassen. Dieser Blick ist einfach unbeschreiblich schön, also lassen wir ein paar Bilder sprechen…

 

Für uns geht es nun den Berg hinab bis zur Metro- und Straßenbahnhaltestelle Malostranská. Von dort aus bietet es sich an, einfach ein bisschen ziellos durch die kleinen Straßen und Gässchen und über die idyllischen Plätze der Kleinseite zu streifen. Am besten man beginnt an der Brücke Mánesův Most und streift durch das Gässchengewirr bis etwa auf die Höhe der Brücke Most Legií. Von dort aus kann man sich dann am Ufer entlang zurück orientieren, bis man an der berühmten Karlsbrücke landet.

 

Natürlich gibt es in diesem Bereich Prags noch so viel mehr zu sehen, von Kirchen und Klöstern über mittelalterliche Bauwerke, Museen, die Botschaften zahlreicher Länder bis hin zu niedlichen Läden, Cafés und Restaurants. Aber wir erinnern uns: Wir haben ja nur 24 Stunden Zeit! An der Karlsbrücke treffen wir dann endlich unsere Prag-Expertin, meine Prager Freundin Kristina. Und auch dieses Mal – uns steht bei den heißen Temperaturen dringend der Sinn nach einem leckeren Eis – hat sie wieder einen echten Geheimtipp für uns!

 

Wir schlendern gemeinsam über die Karlsbrücke zum rechten Moldau-Ufer und begeben uns in das Gewirr der Altstadtgassen. Schon bald geht es rechts ab in eine unscheinbare Gasse und wir stehen vor der in Kristinas Augen besten Eisdiele von Prag, Crème de la Crème. Ein kleiner Laden, optisch nichts Besonderes, aber die lange Schlange lässt schon ahnen, dass es sich lohnt, hierher zu kommen. Kaum zu glauben, aber das Eis kommt qualitativ tatsächlich an die super-guten Eisdielen heran, die wir letztes Jahr in Rom ausprobiert haben, etwa Grom oder Fatamorgana! Das Passionsfrucht- und das Grapefruit-Sorbet erfrischen mich wirklich herrlich und schmecken sooooooooo wahnsinnig fruchtig und lecker! Ein Tipp noch für euch, auch wenn es nicht auf der Karte bzw. an den Wandtafeln steht: Bestellt euch einen Eiskaffee! Ihr könnt die Eissorte wählen (ich empfehle das herrlich dekadente Schokoeis) und obenauf kommt Milchschaum statt Sahne. Wenn sich dann kalter Kaffee, cremig-milchiges Schokoeis und Milchschaum vermischen, ist das einfach nur traumhaft 🙂

Für uns geht es frisch gestärkt bzw. erfrischt weiter in die Altstadt, wo wir uns auf dem Altstädter Ring zusammen mit Hunderten anderer Touristen, davon gefühlt 90 Prozent Japaner, die tanzenden Figuren an der astronomischen Uhr am Rathaus anschauen. Das Schauspiel findet zu jeder vollen Stunde statt (10 Minuten vorher da sein, um einigermaßen was sehen zu können, ist empfehlenswert), dauert dann zwar nur geschätzte 10 Sekunden, aber man muss es mal mitgemacht haben 😉 Wir laufen anschließend noch weiter durch die Altstadt und begeben uns zuerst in westlicher Richtung ins ehemalige jüdische Viertel (Josefstadt / Josefov). Heute wechseln sich dort alte Synagogen, jüdische Friedhöfe und Museen mit schicken Jugendstilbauten ab, in denen sich teure Designerläden finden. Von der Josefstadt aus holen wir den Bogen über den Pulverturm, von dort aus weiter zum unteren Ende des Wenzelsplatzes und dann die Národní-Straße herunter, bis wir am tschechischen Nationaltheater direkt an der Moldau stehen. Nun wird es Abend, unsere Füße tun nach knapp 15 Kilometern zu Fuß quer durch die Stadt weh und wir haben Hunger…

…wie gut, dass uns Kristina, von der wir uns zwischenzeitlich leider schon wieder verabschieden mussten, einige Tipps für den Abend da gelassen hat. Uns schwebt ein typisch tschechisches, deftiges Essen vor, und so kehren wir ins Restaurant Kozlovna U Paukerta ein. Das Lokal mit traditionell tschechischer Küche gehört wohl zu einer Kette mit mehreren Filialen in Prag, aber das macht sich überhaupt nicht negativ bemerkbar. Die Atmosphäre ist urig, der Service freundlich und schnell, und die Karte hält das bereit, wonach uns der Sinn steht: einen kräftigen Biergulasch mit Semmelknödeln! Das Fleisch ist wunderbar zart und zergeht auf der Zunge, die Sauce ist dicklich-sämig und kräftig im Geschmack, und die Knödel sind keine typisch böhmischen Serviettenknödel, sondern tatsächlich Semmelknödel, was ich noch einen Tick lieber mag. Zusammen mit einem schönen Schwarzbier vom Fass meiner Meinung nach ein Gedicht!

Trotz müder Füße geht es anschließend noch zu einem kleinen Spaziergang ans Moldau-Ufer, denn so können wir den Ausblick auf die beleuchtete Burg in der Dämmerung genießen…

Und zu guter Letzt wollen wir den Tag bei einem (oder zwei, oder drei…) Cocktails ausklingen lassen! Kristina hatte uns dafür die auch bei Tripadvisor hochgelobte Hemingway Bar empfohlen. Sicher ist sie sehr gut, doch wir kehren nicht dort ein, da sie nur Innenplätze hat und wir den herrlichen Sommerabend am liebsten draußen genießen wollen. Wir folgen daher stattdessen dem Tipp der Empfangsdame im Dahlia Inn und begeben uns zum Kai am Moldau-Ufer etwa ab der Brücke Jiráskův Most, wo ca. 10 zu Cocktailsbars umfunktionierte Schiffe ankern. Auch am Ufer ist an diesem warmen Sommerabend einiges los, an den Kais verkaufen kleine Bars Getränke, auf Bühnen treten Bands auf, Menschen sitzen überall auf dem Boden und direkt am Wasser und lassen es sich gut gehen. Auf einem der Schiffe Platz zu finden ist gar nicht so einfach und gelingt uns erst beim letzten Schiff in der langen Reihe. Die Schiffe sind alle von unterschiedlichen Spirituosen-Marken gebrandet, was sich in der Auswahl der Getränke niederschlägt. Wir landen auf dem Absolut Vodka-Schiff, das als Special viele Drinks mit der neuen Sorte Absolut Coconut anbietet. Gegen Wodka und Kokos haben wir rein gar nichts einzuwenden, gut getroffen! Zu wiederum unschlagbar günstigen Preisen genießen wir unsere Cocktails sowie den Ausblick auf das nächtliche Prag und denken an einen wunderschönen Tag in der tschechischen Hauptstadt zurück. Wie schade, dass es am nächsten Tag schon zurück nach Dresden geht!

Ich hoffe, dir hat mein 24-Stunden-Guide für Prag gefallen und du konntest einige Inspirationen für eine Reise in die „Goldene Stadt“ mitnehmen. Warst du schon mal in Prag und was hat dir besonders gefallen?

Alle Hotel- und Restauranttipps sind meine eigenen Empfehlungen und nicht mit den Hotels und Restaurants abgesprochen, von ihnen beeinflusst oder gesponsert.

2 Kommentare
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Kommentare

  • Gourmandise

    1. Oktober 2016 at 5:59
    antworten

    Hallo Kirsten,vielen Dank für diesen Reisebericht.Ich war im März diesen Jahres für ein paar Tage in Prag. Es gefiel mir sehr gut. Durch Deine Beschreibung […] weiterlesenHallo Kirsten,vielen Dank für diesen Reisebericht.Ich war im März diesen Jahres für ein paar Tage in Prag. Es gefiel mir sehr gut. Durch Deine Beschreibung sind nun einige schöne Erinnerungen wach gerufen worden.Mit kulinarischen Grüßen Gourmandise PS: Im März wurden überall Trdelnik angeboten, die ich sehr lecker fand. Gibt es die im Sommer dort nicht? zusammenfassen

    • Kirsten
      antwortet Gourmandise

      2. Oktober 2016 at 5:17
      antworten

      Hallo Gourmandise,vielen Dank für die netten Worte, es freut mich sehr, dass mein Reisebericht einige schöne Erinnerungen bei dir wecken konnte :-) Ich finde auch, […] weiterlesenHallo Gourmandise,vielen Dank für die netten Worte, es freut mich sehr, dass mein Reisebericht einige schöne Erinnerungen bei dir wecken konnte :-) Ich finde auch, dass Prag immer eine Reise wert ist!Und ja, Trdelnik gibt es im Sommer auch und wir haben auch welche gegessen. Allerdings war das schon kurz vor der Rückreise und ich habe vergessen, ein Foto zu machen. Vielleicht auch deshalb, weil ich es gar nicht als etwas so Außergewöhnliches wahrgenommen hab, denn hier in Dresden haben wir durch die Nähe zu Tschechien das Glück, dass Trdelnik auch regelmäßig auf Weihnachtsmärkten und Volksfesten angeboten werden :-)Liebe Grüße,Kirsten zusammenfassen

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