[New York, Teil 3] Travelguide für East Village, Greenwich Village & Meatpacking District

Seid ihr bereit für eine neue Runde Fernweh? Ja? Gut so – denn heute nehme ich euch wieder mit nach New York! Nachdem ich euch in meinem letzten Travelguide Downtown Manhattan genauer vorgestellt habe, bewegen wir uns heute ein Stück weiter gen Norden – genauer gesagt nach East Village, Greenwich Village und in den Meatpacking District! Diese Gegend liegt zwischen den Wolkenkratzer-Vierteln von Downtown Manhattan (One World Trade Center, Financial District…) und Midtown Manhattan (Empire State Building, Rockefeller Center…). Sie ist durch niedrigere Gebäude, oftmals die typischen „Brownstones“ mit den Eisenleitern, geprägt. Der Grund dafür ist, dass die Sedimentschichten im Boden hier nicht so stabil wie an der Südspitze und in der Mitte der Insel Manhattan und damit für den Bau von Wolkenkratzern nicht geeignet sind.

Damit hat diese Gegend auch einen ganz anderen Charme als der „Rest“ von Manhattan. In teilweise idyllischen Straßen und an lebendigen Plätzen finden sich hier eher kleine Boutiquen, Galerien, Cafés und Bars als große Shopping Malls und Fastfood-Ketten. Auch geht alles eine Spur weniger hektisch und turbulent zu, man muss sich nicht durch solche Menschenströme kämpfen wie in anderen Gegenden Manhattans und kommt auch mal zum Durchatmen. Das zahlenmäßige Verhältnis von Touristen zu „echten“ New Yorkern ist hier spürbar ein anderes. Doch natürlich entdecken auch die Touristen diese Gegend immer mehr für sich – und ich kann es ihnen nicht verdenken! Denn die „Mitte“ Manhattans ist nicht nur charmant, sondern mit Institutionen wie Katz’s Deli, einer Filiale von Dean & DeLuca, dem Union Square Greenmarket und dem Chelsea Market auch ein Paradies für Foodies…

Katz’s Deli – Wie viel Fleisch passt auf ein Sandwich?

Wir beginnen unseren Bummel im East Village – und wir haben Hunger! Da trifft es sich gut, dass sich im East Village eine der kulinarischen Institutionen New Yorks schlechthin befindet: Katz’s Delicatessen (bzw. abgekürzt Katz’s Deli). Katz’s ist ein alteingesessener jüdischer Feinkostladen, den es bereits seit 1888 gibt und der sich inzwischen zu einem Imperium mit mehreren Filialen, Cateringservice, Online-Shop, etc. entwickelt hat. Mittlerweile ist, das muss man ehrlicherweise sagen, Katz’s deutlich stärker von Touristen als von New Yorkern besucht, doch bei den Speisen hält man hier die Traditionen nach wie vor hoch.

Allein die Atmosphäre in dem Laden ist ein Erlebnis für sich: Nach kurzem Schlangestehen vor der Tür werden wir im Pulk von ca. 10 Leuten vom Türsteher nach drinnen geschleust und in eine der Schlangen einsortiert. Hinter der Theke warten insgesamt 10 „Cutter“ auf die hungrige Kundschaft. Wir sind kurz verwirrt, aber die Bezeichnung erschließt sich, wenn man sich von Nahem anschaut, was die Herren da tun – nämlich hauptsächlich mit großen, scharfen Messern verschiedene Fleisch- und Wurstsorten hauchdünn aufschneiden. Bei Katz’s gibt es viele Klassiker der jüdischen Küche – von Matzo Ball Soup (eine klare Brühe, als Einlage eine Art Semmelknödel aus Matzo-Brot) und Nudelkugel über Latkes (eine Art Kartoffelpuffer) bis hin zu Blintzes (Teigtaschen) – und es gibt vor allem Sandwiches mit REICHLICH Fleisch…

Wir entscheiden uns für den Klassiker, das Pastrami Sandwich, sowie für ein Knobelwurst-Sandwich – allein die amerikanische Aussprache des Wortes „Knobelwurst“ ist den Spaß wert 😉 Und dann legt unser Cutter los und wir kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus: Blitzschnell werden Rinderfilet und Würste hauchdünn geschnitten und mit etwas Senf turmhoch zwischen zwei Scheiben Mischbrot gestapelt. Dazu werden eingelegte Salzgurken gereicht.

Die ersten Bissen der Sandwiches schmecken absolut köstlich… dann jedoch stellt sich schnell Verzweiflung ein: Wer zur Hölle kann nur so viel Fleisch essen?! Wir jedenfalls nicht mehr… erst recht nicht nach bereits 10 Tagen USA. Nach einem halben Sandwich streike ich und beglückwünsche insgeheim die japanische Familie am Nebentisch für ihre Entscheidung, sich zu viert ein Sandwich zu teilen 😉 Nichtsdestotrotz sind die Atmosphäre und das Essen bei Katz’s ein Erlebnis, das ich jedem empfehlen würde – auch wenn ich beim nächsten Mal wohl eher die Matzo Ball Soup probieren würde…

Washington Square & Union Square – entspanntes Treiben im Grünen

Vom East Village aus geht es für uns anschließend weiter in westlicher Richtung nach Greenwich Village. Dort wartet mit dem Washington Square Park eine wirklich charmante, kleine grüne Oase auf müde Stadtspaziergänger. Bei unserem Besuch an einem sonnigen, spätsommerlich warmen Tag Anfang Oktober glitzert die Fontäne des Springbrunnens im Licht der Nachmittagssonne, auf den Bänken und Wiesen sitzen offenbar mehrheitlich Studenten der nahen New York University, und eine Band spielt im Schatten des Triumphbogens Jazz-Versionen bekannter Klassiker.

Die entspannte Atmosphäre erinnert mich an die Stimmung in den Parks in Paris, die ich so sehr liebe. Der Washington Square Park ist kein touristisches Highlight im eigentlichen Sinne, aber er ist genau der richtige Ort für eine kleine Verschnaufpause im Grünen, bei der es viel zu sehen gibt, wo man jedoch von Eindrücken nicht so hoffnungslos „erschlagen“ wird wie anderswo in Manhattan.

Neben dem Washington Square Park gibt es mit dem ca. 15 Minuten entfernten Union Square Park noch eine zweite grüne Oase in Greenwich Village. Rund um den Union Square geht es deutlich geschäftiger zu als am Washington Square, zum Entspannen empfiehlt sich dieser Park daher etwas weniger – aber es gibt einen anderen Grund, um hierher zu kommen: den Union Square Greenmarket!

Das ist einer der größten und schönsten Farmers‘ Markets von New York, der montags, mittwochs, freitags und samstags von 8 – 18 Uhr geöffnet hat. Die Stände biegen sich förmlich unter der schieren Masse an Kürbissen, Kohlsorten, Salaten, Bohnensorten, etc. und es tut einfach wahnsinnig gut, nach dem recht ungesunden Essen der letzten Tage so viele gesunde Lebensmittel auf einen Haufen zu sehen! Daneben gibt es auch Stände mit Brot und Gebäck, Marmeladen und Honig, Fleisch, Wurst, Käse, Kräutern, Pflanzen, etc.

Falls ihr nicht nur schauen und ein paar schöne Fotos machen, sondern auch dort einkaufen wollt, lasst euch jedoch gesagt sein, dass gesundes Essen in den USA in der Regel seinen Preis hat, so auch hier…

The Highline – der vielleicht ungewöhnlichste Park von New York

In Sachen Parks sind bei unserer Runde durch die Mitte Manhattans aller guten Dinge drei – und so geht es für uns nach Washington Square und Union Square zur Highline, einem ganz besonderen Park. Es handelt sich um eine knapp 2,5 Kilometer lange ehemalige Trasse für Güterzüge, die seit 2006 Stück für Stück zu einem Park umgebaut wurde. Der letzte Abschnitt wurde 2014 fertiggestellt, so dass die Highline nun lückenlos von der Gansevoort Street im Meatpacking District zur West 34th Street in Midtown Manhattan führt.

Es gibt an verschiedenen Stellen Aufgänge, einige auch mit Aufzügen. Auf der Highline kann man nun in etwa auf Höhe der dritten Etage der umliegenden Gebäude über den Straßen und somit ein wenig entfernt vom hektischen Verkehrstreiben quer durch Manhattan wandern. Sehr cool, wie ich finde!

Die Highline ist sehr schön begrünt worden, es gibt viele Sitzgelegenheiten und an vielen Stellen auch Kunstobjekte und Installationen zu bewundern, z.B. einen Smart, aus dem ein Baum wächst und der damit für die Transformation der Highline von der Verkehrsader zum Park steht.

Auf der Highline herrscht eine sehr entspannte Atmosphäre, man kann gemütlich schlendern oder sich hier und da mal niederlassen und das Treiben unten auf den Straßen bestaunen. Wer ein Herz für Industriekultur und Streetart hat, kommt auf der Highline auf jeden Fall auf seine Kosten. Aber Achtung, an den Wochenenden wird es hier sehr voll! Die Highline hat täglich von 7 – 22 Uhr, der Abschnitt von der 30th bis 34th Street nur bis 19 Uhr geöffnet.

Das war mein kleiner Spaziergang durch das „etwas andere New York“, das ihr in East Village, Greenwich Village und im Meatpacking District findet, und ich hoffe, es hat euch gefallen! Für uns war dieser Tag eine willkommene Verschnaufpause vom hektischen Treiben in anderen Teilen New Yorks. Im nächsten Artikel meiner Reihe warten dann noch mal viele Klassiker auf euch, denn dann schauen wir uns gemeinsam Midtown Manhattan näher an 🙂

Hier findet ihr alle Artikel meiner New York-Reihe:

[New York, Teil 1] Flugzeugessen
[New York, Teil 2] Travelguide für Downtown Manhattan
[New York, Teil 4] Travelguide für Midtown Manhattan
[New York, Teil 5] Restaurantguide & Fooddiary

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