Polen kulinarisch: Diese Spezialitäten solltest du probieren

Nun ist meine Reise nach Warschau schon drei Monate her, und auch mein Travelguide zu dieser spannenden Stadt ist bereits ein paar Wochen online. Wie darin angekündigt, bin ich euch jedoch noch einige Worte zur polnischen Küche und den Spezialitäten, die ich sowohl in Warschau als auch während früherer Polen-Aufenthalte probiert habe, schuldig. Daher gebe ich euch heute einen Überblick darüber, an welchen Speisen und Getränken in Polen kein Weg vorbei führt und was ihr daher unbedingt probieren solltet, wenn ihr in unser Nachbarland reist. Viele davon habe ich übrigens im Rahmen einer geführten, mehrstündigen Food-Tour mit Eat Polska kennengelernt, die ich sehr empfehlen kann. Mit einem Guide und in einer kleinen Gruppe besucht ihr dabei mehrere Restaurants und Cafés, probiert euch kreuz und quer durch alle möglichen Spezialitäten und bekommt dazu zahlreiche Geschichten, Hintergrundwissen und Tipps aus erster Hand. Ich bin ohnehin ein großer Fan solcher Touren und habe sie bereits (bei verschiedenen Anbietern) in Rom, Ljubljana und Riga sowie in meiner Heimatstadt Dresden ausprobiert.

Doch nun zurück zur polnischen Küche: Diese ist recht einfach und sättigend – darin und auch in den häufig verwendeten Lebensmitteln ist sie der traditionellen deutschen Küche nicht unähnlich. Auch in Polen wird gern und viel Fleisch gegessen und Kartoffeln, Kraut, Kohl und Rüben stehen häufig auf dem Speiseplan. Die Rote Bete spielt allerdings in der polnischen Küche auf jeden Fall eine größere Rolle als in der deutschen 😉 Auch isst man in Polen wie in einigen anderen osteuropäischen Ländern auch gern erst eine herzhafte Suppe und danach ein süßes Hauptgericht, und man schätzt sauer Eingelegtes. Getrunken werden bevorzugt Bier und Wodka, und beides ist in hervorragender Qualität zu haben.

Hier kommen nun meine Top 9 Spezialitäten aus Polen, die ihr probieren solltet:

1. Pierogi ruskie

Pierogi sind DAS polnische Nationalgericht! Die Teigtaschen sind von Form und Beschaffenheit her italienischen Ravioli gar nicht so unähnlich, werden aber deutlich deftiger gefüllt und kombiniert. Der Klassiker sind Pierogi ruski („russische Art“), die mit einer Mischung aus gekochten, zerdrückten Kartoffeln und Quark gefüllt werden. Mir schmeckt diese Sorte am besten – es gibt Pierogi aber mit allen möglichen Füllungen, etwa mit Fleisch, Weißkohl oder Pilzen. Traditionell werden sie mit gebratenen Zwiebeln, knusprigen Speckwürfeln und dem ausgelassenen Speckfett serviert. Wenn ihr vegetarisch essen möchtet, könnt ihr sie aber auch nur mit Zwiebeln oder aber mit einem Klecks Sauerrahm anstatt des Specks bekommen.

In Warschau habe ich gute Pierogi bei Zapiecek gegessen. Das ist zwar eine Kette mit einigen Filialen in der Warschauer Innenstadt und den angrenzenden Vierteln, aber die Pierogi sind wirklich gut und es gibt viele verschiedene Variationen sowohl bei den Füllungen als auch bei den Toppings. Sogar die Guides von Eat Polska meinten, dass sie Zapiecek empfehlen können.

2. Süße Piroggi

Die gute Nachricht für alle Naschkatzen: Pierogi gibt es auch mit süßer Füllung, und es ist vollkommen normal und gesellschaftlich akzeptiert, eine große Portion davon als Hauptgericht zu essen – egal zu welcher Tageszeit! Meist werden sie mit Erdbeeren oder Blaubeeren gefüllt, manchmal gibt es sie aber auch mit Quark-Mohn- oder Quark-Rosinen-Füllung. Serviert werden sie mit relativ flüssiger, nicht sehr stark gesüßter Sahne oder mit Vanillesauce. Ich fand das soooooooo lecker und war nach meiner Portion süßer Pierogi auf jeden Fall extrem glücklich und zufrieden. Wenn ihr nicht nur ein süßes Hauptgericht essen wollt, empfehle ich euch eine kleine Portion herzhafte Suppe davor (in vielen Restaurants werden Suppen sowohl als Tasse als auch als Terrine angeboten – eine Tasse Suppe ist meiner Meinung nach perfekt vor einem süßen Hauptgericht).

3. Zurek

Zurek hört sich für unseren Gaumen vielleicht erst einmal etwas befremdlich an: Denn es ist eine saure Suppe auf Basis von Sauerteig und vergorenem Roggenschrot. Vergorener Roggenschrot – klingt für euch nicht so verlockend? Ich kann euch aber versichern, die Suppe schmeckt richtig gut. Sie ist schön säuerlich, was ich persönlich sehr gern mag. Nach Belieben werden darin zum Beispiel Kartoffel- oder Möhrenstückchen, Fleisch oder Wurst mitgekocht und manchmal kommt vor dem Servieren auch ein hartgekochtes Ei pro Portion hinein. Das Zurek, das ich probiert habe, war mit Möhren- und Knoblauchwurst-Stücken angereichert und hat richtig schön herzhaft und deftig geschmeckt. Optional konnte man sich noch Meerettich in die Suppe rühren, was ich ebenfalls richtig lecker fand.

4. Barszcz

Noch eine Suppe, ohne die in Polen nichts geht! Barszcz ist eine Rote-Bete-Suppe. Im Gegensatz zum namensverwandten russischen/ukrainischen Borschtsch ist sie jedoch nicht dicklich-kräftig mit Gemüse- und Fleischeinlage, sondern es handelt sich um eine klare Suppe. Sie wird sehr, sehr kräftig mit viel frisch gemahlenem Pfeffer abgeschmeckt und mit einer Einlage aus kleinen Teigtaschen (ähnlich wie Tortellini) serviert. Diese sind traditionell mit Pilzen und Weißkohl gefüllt.

5. Bigos

Bigos habe ich zugegebenermaßen nicht dieses Jahr in Warschau, sondern schon vor einigen Jahren in Krakau kennengelernt. Das Schmorgericht wird aber in ganz Polen gern gegessen und darf daher in dieser Liste nicht fehlen. In einen Bigos darf alles, was die Polen kulinarisch besonders schätzen – nämlich Sauerkraut, Weißkohl, Speck, viel Fleisch (meist Schwein und Rind, ab und an habe ich Varianten gesehen, in denen zusätzlich noch Wild enthalten war) und manchmal auch Würste. Gerade in Südpolen waren auch häufig noch Backpflaumen und Pilze mit von der Partie. Ihr seht, ganz schön deftig und gehaltvoll – aber auch mega-sättigend und durchwärmend an kalten Tagen oder nach einer anstrengenden Wanderung oder Sightseeing-Tour.

6. Fermentiertes (milchsauer eingelegtes) Gemüse

Ohne sauer eingelegtes Gemüse geht in Polen nichts! Auch in Deutschland sind ja saure Gurken, Rote Bete, Zwiebelchen, Maiskolben & Co. sehr beliebt – allerdings unterscheiden sie sich in ihrer Herstellungsweise. Während in Deutschland das Gemüse in einem Essigsud eingelegt wird, wird es in Polen in Salzwasser fermentiert. Dadurch entsteht ein anderer Geschmack, deutlich salziger und wie ich finde etwas weniger komplex (was auch logisch ist, da weniger verschiedene Gewürze und Inhaltsstoffe verwendet werden als in der deutschen Variante), aber auch sehr lecker. In jedem Fall harmoniert das fermentierte Gemüse sehr gut mit dem deftigen polnischen Essen, etwa mit einer Wurst- und Käseplatte, und bildet auch eine gute Grundlage für die alkoholischen Genüsse…

7. Bier

In Polen wird gern Bier getrunken – klar, passt ja auch gut zur herzhaften Küche. Häufig findet man tschechische Biere, die sich in Polen großer Beliebtheit erfreuen und ja auch wirklich ganz und gar nicht zu verachten sind 🙂 Allerdings ist dies ja ein Artikel über polnische Spezialitäten, und so möchte ich euch natürlich polnische Biere empfehlen. Die beiden bekanntesten sind Tyskie und Żywiec. Letzteres schmeckt mir persönlich etwas besser, ist allerdings vor allem im Süden Polens zu bekommen – in Warschau ist mir leider fast nur Tyskie begegnet.

8. Wodka

Diesen Punkt auf meiner Liste habt ihr natürlich alle kommen sehen – ganz klar, in Polen muss man Wodka trinken! Die polnischen „Trinkregeln“ besagen übrigens, dass man Wodka nicht vor 13 Uhr trinkt (wer es doch tut, gilt als bemitleidenswerte Person, die ihr Leben nicht im Griff hat) und dass man ihn nicht allein trinken sollte – ein Grund, weshalb es in traditionellen polnischen Bars immer Spiegel gegenüber vom Tresen gibt, damit man seinem Spiegelbild zuprosten kann 😉 Welcher Wodka euch besonders mundet, hängt natürlich vom persönlichen Geschmack ab – generell gelten im Segment der mittelpreisigen, qualitativ guten polnischen Wodkas z.B. Żubrówka oder Wyborowa als empfehlenswert. Żubrówka habt ihr vielleicht in Deutschland schon unter dem Namen Grasovka gesehen – es ist der Wodka mit dem charakteristischen Halm Bisongras in der Flasche.

9. Mad Dog

Der Mad Dog, in Deutschland auch als „Polnische Rakete“ bekannt, ist schon seit langer Zeit mein liebster Shot, der einfach bei jedem Polen-Aufenthalt getrunken werden muss. Er besteht aus Wodka, Himbeersirup und Tabasco und ich finde ihn tatsächlich super-lecker! Er schmeckt richtig schön fruchtig und erst im Nachgeschmack kommt die Tabasco-Schärfe und feuert ordentlich nach. Auch dieses Mal musste ich wieder lächeln, als ich ihn in Warschau in den Getränkekarten gesehen habe – getrunken habe ich ihn jedoch leider nicht. Das war einer der Nachteile am Alleinreisen: Wenn man allein im Restaurant oder in der Bar sitzt, bestellt man sich vielleicht ein Bier, ein Glas Wein oder auch einen Cocktail – aber alleine Shots trinken? Ich glaube, das hätte gegen die polnischen Trinkregeln verstoßen – siehe Punkt 8 😉

Ich hoffe, ich konnte euch hiermit einen guten Überblick geben, welche kulinarischen Spezialitäten euch in Polen erwarten und ihr wisst nun, was ihr euch dort keinesfalls entgehen lassen solltet 🙂 Welche Gerichte und Getränke habt ihr in Polen schon probiert und könnt ihr empfehlen?

>> Hier geht’s zu meinem Travelguide für Warschau

*Alle Empfehlungen in diesem Beitrag beruhen auf meinen Reiseerfahrungen und meiner persönlichen Meinung und sind nicht mit den Unterkünften, Restaurants, Sehenswürdigkeiten etc. abgesprochen, von ihnen beeinflusst oder gesponsert worden. Die Foodtour mit Eat Polska habe ich privat gebucht und bezahlt. Die Mitarbeiter waren mir im Nachhinein dankenswerterweise noch mit Informationen über die polnische Küche für diesen Artikel behilflich.

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