Familienklassiker: Soljanka nach Papas Rezept

Ok zugegeben, vielleicht ist es an einem heißen Tag wie heute nicht gerade euer sehnlichster Wunsch, hier ein Rezept für ein kräftiges, warmes Süppchen präsentiert zu bekommen. Aber es wird ja bekanntlich gegessen, was auf den Tisch kommt, vor allem wenn ihr euch Familienklassiker wünscht – denn die kriegt ihr jetzt auch 😉 Das Interesse an Familienrezepten trifft sich gut, denn auch mein Europa-Kochprojekt ist diesen Monat in Deutschland angelangt, und was liegt da näher, als ein paar echte, eigene Klassiker vorzustellen? Daher habe ich meine Eltern, die beide sehr gut kochen, mit eingespannt und jeder hat ein Gericht zubereitet, das Rezept aufgeschrieben und fotografiert. Den Anfang macht heute Papas Spezial-Soljanka, die ich schon immer unheimlich gern gegessen habe.

Soljanka ist ein in den neuen Bundesländern sehr bekanntes Gericht, das sich auf der Speisekarte eigentlich jedes eher rustikalen, traditionellen Restaurants findet – ich hab mir jedoch sagen lassen, dass es in den alten Bundesländern nicht sehr bekannt ist. Daher eine kleine Erklärung: Bei der Soljanka handelt es sich um eine säuerliche Suppe, die ursprünglich aus Osteuropa (vor allem Ukraine und Weißrussland) stammt und in der traditionell Wurst-, Fleisch- und Gemüsereste verwertet werden konnten. Bei uns in der Familie ist sie in der Regel eine Vorspeise, ein Bestandteil eines Buffets oder eignet sich auch gut als Mitternachtsimbiss, z.B. an Silvester.

Papas Spezial – eins meiner liebsten Wohlfühl-Essen 🙂

Ich habe schon immer eine ausgeprägte Vorliebe für süßsaures Essen gehabt – meine Lieblingsessen als Kind waren (und sind auch bis heute noch): Saure Eier, süßsaurer Pilzeintopf, Sauerbraten und eben Soljanka. Letztere bereitet bei uns meist mein Vater zu, der gern für die „traditionelle Hausmannskost“ verantwortlich zeichnet. Er ist übrigens gelernter Koch und hat das Rezept für die Soljanka noch vor über 40 Jahren in seiner Ausbildung gelernt. Und noch bis heute begleitet es uns regelmäßig, wenn auch in ein paar unterschiedlichen Varianten. So ist mein Papa der Meinung, dass an die Soljanka am besten Salami und Jagdwurst gehören, dafür aber auf keinen Fall Erbsen und Möhren. Ich mag es jedoch am liebsten nur mit Jagdwurst, ohne Salami, dafür aber mit Erbsen und Möhren dran. Aber egal, wie man es macht – denn es ist ja ursprünglich ein Resteverwertungsgericht – solange die Suppe schön säuerlich ist, kann man nicht viel verkehrt machen 🙂

Nun also Bühne frei für meinen Papa und sein Soljanka-Rezept…!

Rezept
für ca. 4-6 Personen


2 Liter Fleisch- oder Gemüsebrühe
500g Wurst (Salami und Jagdwurst gemischt oder nur eine Sorte)
6 Zwiebeln
1 Beutel Sauerkraut
2 rote Paprika
6 Möhren
2 Zitronen (eine zum Kochen, eine zum Servieren)
1 Glas Gewürzgurken
4 EL Tomatenmark
1/2 Flasche Ketchup
neutrales Öl
Essig, Zucker
1 Becher Crème fraîche
optional: Tomatensaft, Saucenbinder

Wurst, Zwiebeln, Paprika, Möhren und Gewürzgurken in schmale Streifen schneiden (ca.0,5×4 cm), Sauerkraut grob zerkleinern. Alles getrennt in Schüsseln aufbewahren. Saft von den Gewürzgurken durch ein Sieb gießen und dabei in einer Schüssel auffangen, wird für die Zubereitung der Suppe benötigt! Eine Zitrone in Achtel schneiden.

In einem großen Topf (mind. 5 Liter) etwas Öl erhitzen und die Wurst darin anbraten. Die Zwiebeln in einer Pfanne goldgelb anbraten, dann zur Wurst geben. 4 Löffel Tomatenmark und eine halbe Flasche Ketchup dazugeben und gut umrühren. Dann Möhren- und Paprikastreifen dazugeben und unter Rühren mit anbraten. Sauerkraut, Gurkenstreifen und Zitronenstücke zugeben und gut umrühren. Die gesamte Gurkenbrühe und Fleisch- oder Gemüsebrühe dazugeben. Aufkochen und ca. 20 Minuten auf kleinerer Flamme köcheln lassen, dabei öfters umrühren.

Wem die Suppe zu dicklich ist, der kann noch Tomatensaft zugeben. Ist die Konsistenz zu dünn, mit etwas Saucenbinder arbeiten. Da man die heiße Suppe schlecht abschmecken kann ruhig 1 Stunde auskühlen lassen, dann evtl. mit etwas Balsamico und einer Prise Zucker abschmecken. Salz und Pfeffer erübrigt sich eigentlich, weil die Wurst Schärfe gibt. Aber wer es scharf mag…

Vor dem Servieren die mitgekochten Zitronenstücke entfernen. Zum Servieren auf Teller oder in Suppenschüsseln füllen und mit je einer Zitronenscheibe von der zweiten Zitrone, auf die ein Klecks Creme fraîche gegeben wurde, garnieren. Dazu schmeckt Baguette oder (Weiß-)Brot.

Quelle
Familienrezept

12 Kommentare
2 Likes
Letzter: Soft Double Chocolate Cookies mit gezuckerter KondensmilchNächster: Familienklassiker, die 2te: Ragout fin nach Mamas Rezept

Das könnte dich auch interessieren

Kommentare

  • Yevgeniya Kriegsheim

    1. Februar 2014 at 21:59
    antworten

    Ich liebe Soljanka! Versucht mal auch so zu probieren: ohne Sauerkraut, Möhren und Paprika, mit schwarzen Oliven, Nieren (mehrmals Wasser abgießen), verschiedenen Wurstresten (auch eine […] weiterlesenIch liebe Soljanka! Versucht mal auch so zu probieren: ohne Sauerkraut, Möhren und Paprika, mit schwarzen Oliven, Nieren (mehrmals Wasser abgießen), verschiedenen Wurstresten (auch eine Bockwurst dazu). Man kann Brühe mit den Schweinerippen machen und sie auch zum Fleischsortiment verwenden... So hat immer meine ukrainische Mami gemacht zusammenfassen

    • Hallo Yevgeniya,wie schön, noch ein Soljanka-Fan :-) Vielen Dank für Deine original ukrainischen Tipps, das hört sich sehr interessant an! Bisher habe ich mich jedoch […] weiterlesenHallo Yevgeniya,wie schön, noch ein Soljanka-Fan :-) Vielen Dank für Deine original ukrainischen Tipps, das hört sich sehr interessant an! Bisher habe ich mich jedoch an Nieren nie so wirklich rangewagt - meinen Eltern haben eigentlich recht regelmäßig damit gekocht, aber ich mochte die Konsistenz nie so gern. Na ja, vielleicht kommt es einfach mal wieder auf einen Versuch an :-)Liebe Grüße,Kirsten zusammenfassen

    • Ja, das stimmt. Die Innereien sind natürlich Geschmacksache! P.S. Danke Dir für Deine Rezepte!

    • Ja allerdings - aber man kann sich ja auch mal überwinden und schauen, ob sich der eigene Geschmack nicht inzwischen verändert hat ;-)Sehr gern, freut […] weiterlesenJa allerdings - aber man kann sich ja auch mal überwinden und schauen, ob sich der eigene Geschmack nicht inzwischen verändert hat ;-)Sehr gern, freut mich dass Dir meine Rezepte gefallen :-) zusammenfassen

  • restaurant wiesbaden

    16. August 2013 at 3:03
    antworten

    Das sieht wirklich klasse aus!!!

  • Barbara

    26. Juli 2013 at 23:10
    antworten

    Ich mag Soljanka, aber nur wenn sie gut gemacht ist. In Gasthäusern gab's auch schon mal Sprühsahne dazu, daher bin ich wieder abgekommen davon... Selbermachen […] weiterlesenIch mag Soljanka, aber nur wenn sie gut gemacht ist. In Gasthäusern gab's auch schon mal Sprühsahne dazu, daher bin ich wieder abgekommen davon... Selbermachen wäre natürlich eine Idee. :-) zusammenfassen

    • Kirsten
      antwortet Barbara

      18. August 2013 at 19:59
      antworten

      Hallo Barbara,oh ja, die Sprühsahne-Orgien auf der Soljanka kenne ich auch und habe ich nie verstanden! So ein ordentlicher Klacks Sauerrahm passt doch viel, viel […] weiterlesenHallo Barbara,oh ja, die Sprühsahne-Orgien auf der Soljanka kenne ich auch und habe ich nie verstanden! So ein ordentlicher Klacks Sauerrahm passt doch viel, viel besser... Aber gut gemachte, selbstgekochte Soljanka ist schon wunderbares Essen, finde ich :-)Liebe Grüße,Kirsten zusammenfassen

  • Anikó

    24. Juli 2013 at 17:53
    antworten

    Aus meiner Familie kenn ich die nicht, weil sie bei meiner Mutter in der Kantine "Leuchtwurstsuppe" hieß, also alle Wurstreste, die schon fast von allein […] weiterlesenAus meiner Familie kenn ich die nicht, weil sie bei meiner Mutter in der Kantine "Leuchtwurstsuppe" hieß, also alle Wurstreste, die schon fast von allein leuchteten wurden reingeschnitten. Meine Mutter grauste es davor ...Eure Version ist auch wild mit den Möhren und dem Sauerkraut, aber essen würde ich sie auch :-) zusammenfassen

    • Kirsten
      antwortet Anikó

      18. August 2013 at 19:57
      antworten

      Huhu Anikó,hahaha, den Namen Leuchtwurstsuppe kannte ich bisher noch nicht, finde ihn aber sehr amüsant :-) Die Suppe ist ja an sich auch gut zur […] weiterlesenHuhu Anikó,hahaha, den Namen Leuchtwurstsuppe kannte ich bisher noch nicht, finde ihn aber sehr amüsant :-) Die Suppe ist ja an sich auch gut zur Resteverwertung geeignet, in der Kantine würde ich aber wohl auch lieber einen Bogen drum machen... Frisch und lecker selbstgekocht kann ich sie hingegen sehr empfehlen!Liebe Grüße,Kirsten zusammenfassen

  • Marust

    23. Juli 2013 at 22:03
    antworten

    Hallo,Soljanka kenne ich zwar nicht, aber saure Eier! Ich esse die sehr gerne, kenne aber kein Rezept und niemanden, den ich fragen kann. Ich möchte […] weiterlesenHallo,Soljanka kenne ich zwar nicht, aber saure Eier! Ich esse die sehr gerne, kenne aber kein Rezept und niemanden, den ich fragen kann. Ich möchte sie sooo gerne mal wieder essen, kannst Du nicht mal dafür ein Rezept bloggen?!Danke und viele GrüßeMarust zusammenfassen

    • Kirsten
      antwortet Marust

      18. August 2013 at 19:54
      antworten

      Hallo Marust,juuuhuuu endlich noch ein saure-Eier-Fan! :-) Das Rezept für saure Eier nach meiner Mama gehört eigentlich schon ganz lange mal gebloggt, leider gelingen mir […] weiterlesenHallo Marust,juuuhuuu endlich noch ein saure-Eier-Fan! :-) Das Rezept für saure Eier nach meiner Mama gehört eigentlich schon ganz lange mal gebloggt, leider gelingen mir dazu nicht so recht ansehnliche Fotos, aber was soll's, es zählen die inneren Werte! ;-) Das Rezept folgt hoffentlich bald. Ich sollte aber vielleicht erwähnen, dass es sich dabei nicht um die "klassischen" Senfeier in heller Sauce handelt, sondern um eine dunkle Sauce mit braunem Mehl, Zwiebeln, Speck, Brühe und Senf, in der die Eier pochiert werden. Weiß nicht, ob Du es auch so in der Art kennst... nen Versuch ist es auf jeden Fall wert!Liebe Grüße,Kirsten zusammenfassen

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.